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Warum sind die Amis so fett?
Der New Yorker Filmemacher Morgan Spurlock ging in „Michael-Moore-Manier“ dieser tief schürfenden Frage nach und ernährte sich im Selbstversuch 30 Tage lang nur von Produkten der größten Fastfood-Kette der Welt. Erstaunliches kam zu Tage: 25 Pfund mehr auf den Rippen, Leberwerte zum Erschrecken und Blutwerte, die seine Ärzte in höchste Alarmbereitschaft versetzten…

In seinem top-satirischen, in Sundance 2004 mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichneten Film, fragt Spurlock nach der Verantwortung der Konzerne und Konsumenten, nach dem großen Geld, das mit der „Fastfood-Kultur“ gemacht wird und nach den Möglichkeiten, die schwergewichtigen Amerikaner wieder zu einem gesünderen Volk zu machen. Ein ironischer Schlag in den Magen, angereichert mit viel Fett und Fakten über eine fragwürdige Mega-Industrie.

„Amerika ist die fetteste Nation auf Erden, herzlichen Glückwunsch!“

Das ist einer der ersten Sätze in Morgan Spurlocks preisgekrönter Doku-Satire über die Fast-Food-Manie und deren Folgen in den USA. Geschockt von den Fakten über die verfettete Bevölkerung seines Heimatlandes fragt der Filmemacher, ob es eine direkte Verbindung zwischen der Fastfood-Ernährung und dem lebensbedrohlichen Übergewicht, unter dem viele Amerikaner schon heute leiden, gibt:
  • Seit 1980 hat sich die Zahl der Fetten in den USA verdoppelt.
  • Fast 37 Prozent der Amerikaner sind übergewichtig, bei den Erwachsenen sind es sogar 2/3 der Bevölkerung.
  • Fettreiche Ernährung ist in den USA nach dem Rauchen die zweithäufigste vermeidbare Todesursache.
  • Die Zahl der Fastfood Restaurants nimmt noch immer rapide zu.
Fastfood ist immer und überall verfügbar, es ist billig, macht schnell satt (zumindest für einige Zeit) und passt zum heutigen überdrehten und hektischen Lebensstil. Auf dem Weg von einem Termin zum nächsten schnell bei Kentucky Fried Chicken halten; nachts nach dem Kino noch kurz bei Burger King rein; auf der langen Autofahrt einen preiswerten Kaffee (na gut, und einen Schoko-Muffin) von McDonald’s. Keine Einzelfälle. Millionen von Menschen essen täglich Fastfood, manche sogar mehrmals am Tag.

Aufgrund dieser erschreckenden Fakten startet Morgan Spurlock einen spektakulären Selbstversuch: Nachdem ihm verschiedene Ärzte und Gesundheitsberater seine absolute körperliche Fitness attestiert haben, legt er ein Gelübde ab. Zum Entsetzen seiner Freundin Alex (sie ist von Beruf „Vegan Chef“, eine vegane Ernährungsberaterin!) wird er 30 Tage ausschließlich bei McDonalds essen. Hier seine Regeln:
  1. Keine Ausnahmen. Gegessen wird nur, was es bei McDonald’s gibt.
  2. Jedes Gericht, das auf der Karte steht, muss mindestens einmal gegessen werden.
  3. „Super Sizing“ der Menüs nur dann, wenn es von den Mitarbeitern am Counter angeboten wird, dann aber ein Muss („Super Size“ = preiswerte, extra-große Variante).
  4. Keine Entschuldigungen. Aufessen ist Pflicht.
  5. Frühstück, Mittagessen, Abendessen – keine Mahlzeit darf ausgelassen werden.
Am ersten Tag schmeckt es dem Burger-Liebhaber Spurlock noch so richtig gut! Er lebt schließlich den Traum eines jeden Achtjährigen. Tag zwei und ein „Double-Quarterpounder-with-Cheese-Super-Size-Menü“ bringen ihn schon zum ersten Mal an seine Grenzen. Spätestens ab Tag zehn wird das, was anfangs nur verrückt und witzig klang, zu einer wirklichen Herausforderung...

McDonalds ist der Fastfood-Gigant in einem durchaus dubiosen Geschäft voller Branchen-Riesen. In den weltweit 30.000 Filialen essen täglich 46 Millionen Menschen – soviel wie die Gesamtbevölkerung Spaniens. In den USA hat McDonalds 43% Marktanteil und ist überall: in jeder Kleinstadt, an Flughäfen, Bahnhöfen und sogar - traurige Ironie - in Krankenhäusern.
Aber Spurlock belässt es nicht bei der Kritik an dem viel gescholtenen Marktführer. Während seiner Fast-Food-Diät reist er durch die USA, nimmt Schulkantinen-Essen ins Visier, sucht das Gespräch mit Fastfood-Fans und Fitness-Trainern, mit Ernährungsexperten und Marketing-Profis der Nahrungsindustrie, mit Politikern und Fastfood-Lobbyisten. Spurlock verdeutlicht, dass die Vorliebe für preiswertes, jederzeit verfügbares und schnell sättigendes Essen ein gesellschaftliches Phänomen ist, dessen Wurzeln tief im mobilen „American Way of Life“ verankert sind. Und er zeigt schonungslos die Folgen dieses Lebensstils: den Horror der Radikal-Diäten; Die Geschäftemacherei mit Nahrungszusätzen; den gesundheitlichen Niedergang der „fettesten Nation der Welt“.

Spurlocks zunächst amüsantes Selbstexperiment bekommt gegen Ende des Films eine unerwartet dramatische Note. „BigMacs“ und „Freedom Fries“ haben ihn innerhalb eines Monats um 25 Pfund schwerer gemacht. Sein Körperfett-Anteil ist von 11 auf 18 Prozent hochgeschnellt, der Cholesterinspiegel liegt bei ungesunden 230 (vorher unbedenkliche 168) und seine Leberfettwerte sind so dramatisch, dass ihm ein Arzt zum vorzeitigen Abbruch rät. Außerdem ist er depressiv, hat Kopfschmerzen und fühlt sich antriebslos. Und Spurlocks Freundin muss zugeben, dass die Libido ihres Freundes leider auch nicht mehr das sei, was sie einmal war...

Im Dokumentar-Stil von Michael Moore vermischt Morgan Spurlock subjektive Erfahrungen und hart recherchierte Fakten, schafft eine höchst unterhaltsame Gratwanderung zwischen satirischer Unterhaltung und gesellschaftskritischer Dokumentation. Ist die Überfettung der Amerikaner auf einen Mangel an Selbstdisziplin zurückzuführen? Oder tragen die allgegenwärtigen Fastfood-Konzerne für die Fett-Kranken eine ähnliche Verantwortung wie die Tabakindustrie für Nikotinsüchtige? Wie präzise Spurlock mit seiner Attacke auf Fettsucht und Ernährungsindustrie einen empfindlichen Nerv nicht nur der Amerikaner getroffen hat, zeigt das überwältigende weltweite Medien-Echo.